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Praxis für Endokrinologie - Dr. Claus-Dieter Pflaum

Was ist Endokrinologie?

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, von den Botenstoffen des Körpers. Hormone steuern die Organfunktionen, sie beeinflussen die Funktion des Körpers, sie wecken Triebe im Gehirn, sorgen für die Leistungsfähigkeit der Muskeln, das Muskelwachstum, die Pumpfunktion des Herzens, die Menge an Sauerstoff, die im Blut transportiert werden kann. Sie beeinflussen die Gehirnfunktion, die Leitungsgeschwindigkeit der Nerven, die die Signale des Gehirns in den Körper tragen. Hormone beeinflussen den Stoffwechsel, die Geschwindigkeit und Effizienz der Verdauung, den Fettstoffwechsel und den Cholesterinhaushalt, das Körpergewicht und die Körperzusammensetzung. Hat jemand viel Fett und wenig Muskelanteil oder umgekehrt? Dies wird von den Hormonen mit beeinflusst. Hat ein Mann sexuelles Interesse oder nicht, hat eine Frau sexuelles Interesse? Die Hormone tragen einen wesentlichen Teil dazu bei. Geht ein Kinderwunsch in Erfüllung oder nicht? Ohne Hormone ist die Antwort klar.

Wenn in der Pubertät plötzlich Akne entsteht, liegt dies an den Hormonen, wenn sich der Jugendliche auf einmal ständig mit den Eltern streitet, liegt dies an den Hormonen. Wenn die ersten Körperhaare spriessen, ist dies ein Zeichen hormoneller Aktivität, wenn aus dem schmächtigen Kind ein muskulöser Jugendlicher wird, liegt dies an den Hormonen, wenn sich seine Interessen vom Computer zum anderen Geschlecht hin verlagern, ist dies eine Folge der „Drüsen“. Wenn jemand plötzlich Gewicht zunimmt, müde wird, träge, nur noch schlafen will, der Kreislauf plötzlich schwach wird, bislang nicht bekannte Magen-Darm-Beschwerden auftreten, liegt dies an den Hormonen. Wenn im Alter plötzlich die Knochen schwach werden, liegt dies an den Hormonen. Die allseits bekannte „Zuckerkrankheit“ ist eine endokrine Erkrankung, die mehr als alle anderen Krankheiten zeigt, wie ein Hormon Einfluss auf alle Körpersysteme hat.

Jedes Organ des Körpers, jede Funktion, wird durch Hormone gesteuert. Somit ist die Endokrinologie ein Bereich, der nicht abzugrenzen ist, vielmehr stellt das Fach eine Art Netzwerk dar, das in alle anderen ärztlichen Fachbereiche eingreift. Der Endokrinologe ist quasi der „Koordinator“, der alle Wechselwirkungen und Zusammenhänge kennen und begreifen muss. Er ist der „Integrator“, der die einzelnen Fachbereiche subsumiert und die Gesamtzusammenhänge sucht. Seine Arbeit ist daher sehr gesprächsintensiv und zeitaufwendig. Häufig ist der die letzte Instanz in einer langen Kette von Arztbesuchen, die „letzte Hoffnung“ nach einem langen Leidensweg des Patienten.

Dass ein Problem endokrinologischer Natur ist, erkennt man nicht immer auf den ersten Blick, und oft wird der Patient nicht spezifisch behandelt sondern leidet unter latenten Einschränkungen der Lebensqualität.

Das spannende an dem Fach ist die integrative Komponente, das Subsumieren aller Teilbefunde, die teilweise detektivische Detailarbeit, die zur Entdeckung des Problems notwendig ist. Der Mensch muß als ganzheitliche Person betrachtet werden, die nicht auf ein einzelnes erkranktes Organ reduziert werden kann.

 
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